Impressionen, auch ungewöhnliche...

Unsere Ruhestätten sind Zeugen einer sich wandelnden Kultur. Immer mehr Friedhöfe verzaubern durch Parkanlagen, Bachlandschaften und inzwischen auch mit Wiesen- und Baumgräbern. Vielen naturverbundenen Menschen gefällt der Gedanke unter rauschenden Wipfeln zu ruhen, und doch, der Weg zum nächst gelegenen Friedwald oder Ruheforst ist oftmals weit.

Im Friedwald Michelstadt, im Odenwald, erinnere ich mich an eine nicht alltägliche Beerdigung. Damals hatte das geliebte Pferd einer verstorbenen Reiterin deren Asche durch den stillen Wald, bis hin zu ihrem Baumgrab getragen. 

Es erfüllt mich mit Freude, den Wünschen der Hinterbliebenen (unter Berücksichtigung der Gesetzeslage) nachkommen zu können und so die Verstorbenen auf ganz persönliche Weise zur Sprache zu bringen. 

Im September 2018 erfüllte ich den Wunsch einer verstorbenen Französin, in Paris verstreut zu werden. Es hat mich sehr berührt dies für sie tun zu können. Andere Länder - andere Sitten, bzw. Bestattungsverordnungen. Auch in der Schweiz ist es erlaubt, auf Almwiesen die Asche vom Winde verwehen zu lassen oder sie dem Himmel nahe, an einem Felsen zu beerdigen.

 

Wo wird einst des Wandermüden letzte Ruhestätte sein?
Unter Palmen in dem Süden - unter Linden an dem Rhein?
Immerhin! Mich wird umgeben Gotteshimmel, dort wie hier
und als Totenlampen schweben nachts die Sterne über mir.   

 

Heinrich Heine

 

Wo auch immer die letzte Heimat sein wird, ob nah oder fern - die schönste Gedenkstätte für einen Menschen liegt in unseren Herzen. Doch weil auch das nicht immer so der Fall ist, davon erzählt eine Trauerfeier, bei der die Angehörigen erst gar nicht angereist kamen. Das verstorbene Familienmitglied hatte Ihnen zeitlebens und bis zu seinem Ableben jede Menge Ärger bereitet. So stand ich alleine an des Vaters Grab. 

So viel Ehrlichkeit und Konsequenz in Bezug auf eine gewünschte Trauerzeremonie ist in der Tat außergewöhnlich. Was nicht heißen soll, dass an Trauerfeiern gelogen wird. Es ist eher so, dass nicht ALLES gesagt sein will - und muss - oder wenn, gewusst wie, so quasi Augen zwinkernd, zwischen den Zeilen. 

Trauerredner verstehen sich nicht als Richter, die ein Urteil zu fällen haben. Meiner Position obliegt es eine Perspektive des Respektes, der Würde und der Gleichwertigkeit aufzuzeigen.  

Ein Lebenskreislauf hat sich geschlossen. Mich interessiert, welchen Sinn dieser Mensch hineingelegt hat. Früchte seines Lebens.

Was davon bleibt? Was nimmt er mit?

 

Wird er wiederkommen? Und wann?

Frag das schöne Licht in dir, das dich warm hält, bewahrt und wunderbar für dich sorgt -

so dass man auch jetzt einander ansieht, wie unter geschlossenen Lidern. 

 

Ingeborg Bachmann, leicht verändert.